15.09.17 - Jörg Winkler erzählt:

Als ästhetischer Mensch, als den er sich selbst bezeichnet, liebt Jörg Winkler es, wenn sich in seiner Wohnung alles am richtigen Platz befindet. „Klare Linien“ sind ihm wichtig und auch, dass die Wohnung immer sehr sauber ist.

Immer schon hatte er die Fähigkeit, mit wenig zufrieden zu sein. Nach und nach entwickelte er die dazu passende Haltung, mit seinem persönlichen Lebensstil so wenig Schaden wie möglich anzurichten. Deshalb fährt er nun nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ernährt sich vegetarisch und kümmert sich darum, all das auch wirklich wieder zu verwenden, was noch zu weiterem Gebrauch taugt.

Zu dem, was ihm an seiner Wohnung besonders gut gefällt gehört entsprechend auch die gute Anbindung an die umliegenden Städte mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Herr Winkler wusste lange nicht, was er mit seinem Leben anfangen wollte und kam so dazu, die verschiedensten Bildungswege auszuprobieren. Er unternahm Reisen mit dem Motorrad durch die Welt, studierte Sozialpädagogik und Betriebswirtschaft, besuchte IT- Fortbildungen und ließ sich zum Bürokaufmann ausbilden.

Das interessante Jobangebot eines Freundes lockte den damals neunundzwanzigjährigen nach Cali in Kolumubien. Dort lernte er seine damalige Frau kennen, dort wurde seine Tochter geboren und dort engagierte er sich in verschiedenen Projekten, wie beispielsweise der Verbesserung der medizinischen Versorgung für breite Bevölkerungskreise in der Region.

Der Aufenthalt in Kolumbien sollte Jörg Winkler stark prägen. Er erlebte so vieles an schicksalhaften Miseren von Menschen, dass er eine starke Sensibilität gegenüber Grausamkeit und Unmenschlichkeit entwickelte. Alles, was mit der Verherrlichung von Gewalt zu tun hat, ist ihm seitdem ein Gräuel.

Auch seine Haltung gegenüber dem Leben in Deutschland ist stark geprägt von der erlebten Brutalität des Lebens in Kolumbien.

„Die Menschen hier sind extrem abgesichert und jammern gern auf hohem Niveau. Auch wenn man hier keine großen Sprünge machen kann, so kann man sich doch immer über Wasser halten – ganz im Gegensatz zu dem, was Menschen in anderen Teilen der Welt tagtäglich erleben“, so Herr Winkler.

Diese positive Haltung erstaunt, wenn man bedenkt, dass Jörg Winkler seit vielen Jahren schwer krank ist. Nach einer Lungenentzündung, die er damals aus Lateinamerika mitbrachte, erlitt er einen  Bandscheibenvorfall und musste in dem Zusammenhang erfahren, dass er ebenfalls an einer bereits fortgeschrittenen Osteoporose leidet. Ein Jahr lang war er ein Pflegefall in der damaligen Wohnung, wo ihm nach der Trennung von seiner Frau vor allem die Unterstützung seines Sohnes half, aber auch seine Fähigkeit, seine eigenen tragischen Erfahrungen zu relativieren. Auch seinen Kindern wollte er vor allem mit auf den Lebensweg geben, dass man nicht erwarten kann, von anderen versorgt zu werden sondern sich statt dessen selbst darum bemühen muss, Lebenssituationen aktiv zu gestalten und zu bewältigen.

 

 

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15.06.17 - Adil Salih Awte erzählt:

Seit November 2016 wohnt Adil Salih Awte in einer Hawobau – Wohnung und auch ein „Kollege“, wie er sagt, mit dem er sich in der Flüchtlingsunterkunft in Eddersheim angefreundet hat, konnte in eine der Hawobau- Wohnungen in seiner Nachbarschaft einziehen.

Damit hat er nun endlich gute Voraussetzungen für ein Leben, mit dem er zufrieden sein kann. „ In den letzten drei Jahren ist mein Leben immer ein bisschen besser geworden. Zuvor hatte ich nur Stress. Mit der eigenen Wohnung geht alles besser. Jetzt fehlt nur noch ein Ausbildungsplatz oder eine Arbeit, damit alles zu 100 Prozent gut ist“, schätzt er selbst seine Situation ein.

Vor etwas mehr als drei Jahren entschloss sich Herr Awte, aus Eritrea zu fliehen, da es für ihn dort schier unmöglich war, einem Dasein als Soldat zu entkommen. Er berichtet: „Die Soldaten kommen meist nachts, um junge Männer, manchmal auch junge Frauen, zu holen. Wenn ich zu Hause war, konnte meine Mutter aus Angst vor den Soldaten nicht mehr schlafen. Ich habe mich deshalb immer wieder nachts im Wald versteckt und dort geschlafen. Weil sie mich nicht angetroffen haben, haben die Soldaten zweimal meine Mutter mitgenommen. Die Familie musste sie dann wieder aus dem Gefängnis holen.“

Vom Vater, der sein ganzes Leben lang Soldat war, wusste Herr Awte damals bereits gut, was ein solches Leben konkret bedeuten kann. Und dieses Schicksal wollte er auf keinen Fall teilen. Dennoch ertrug er es dann vier Jahre lang, um die Mutter vor weiteren Mitnahmen zu schützen.

16 Tage war Adil Salih Awte unterwegs, bevor er die Hauptstadt des Sudan erreichte. Auf der Flucht war er als junger Mann ohne Sprach- und Ortskenntnisse vielfachen Gefahren ausgesetzt. „Im Sudan bin ich einen ganz Tag lang im Kreis gelaufen“, erzählt er beispielsweise, und: „In der Hauptstadt habe ich zwei Monate als Maler gearbeitet, wurde aber nur für einen Monat bezahlt“.

Auf der Flucht hat es Herrn Awte vor allem geholfen, dass seine Familie hinter ihm stand und ihn auch mit Geld unterstützen konnte. In Libyen wurde er bei seinem ersten Fluchtversuch über das Mittelmeer verhaftet und zunächst ins Gefängnis gebracht. Der Vater verkaufte ein paar der Kamele, die zum Besitz der Familie gehören und konnte ihm dann das Geld für den zweiten Fluchtversuch schicken, der gelang. Adil Salih Awte gelangte von Libyen aus nach Sizilien und weiter nach Deutschland.

In Deutschland hat er schon bald nach der Ankunft versucht, seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch Deutschkenntnisse zu verbessern. Morgens ging er in Hofheim in den Deutschkurs, nachmittags stand Arbeit im Baumarkt auf dem Programm. Eine ehrenamtliche Betreuerin hilft ihm, Schreiben zu verstehen und zu beantworten und unterstützt seine Suche nach einem Ausbildungsplatz.

„Mein Vater war eigentlich Schreiner. Er hat die Möbel zuhause selbst gemacht, von Hand, ohne Maschinen. Ich habe viel bei meinem Vater zugesehen und so von ihm gelernt und möchte selbst am liebsten Schreiner werden“, erzählt Herr Awte und ergänzt „ Wenn dieses aber nicht möglich sein sollte, bin ich über jede Arbeit froh, die es mir möglich macht, von eigenem Geld hier zu leben.“

 

 

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15.05.17 - Monika Dahms erzählt:

Monika Dahms ist eher zufällig bei der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft gelandet, wählte sie mit der Wohnung zunächst eine Notlösung für ihre Situation. Diese hält nun aber bereits seit dem Frühjahr 2009 an, wodurch deutlich wird, dass die Notlösung doch auch einige Vorteile zu bieten hat.

Ein Wohnen in Frankfurt käme für Frau Dahms überhaupt nicht in Frage, da sie ein „Draußen- Mensch“ ist, wie sie es formuliert. Das Wohnen in Hattersheim wurde für sie zu einem guten Kompromiss, da zum Leben „nun mal das Geldverdienen dazu gehört und da die meisten Arbeitsplätze leider in den Städten zu finden sind“, wie sie sagt. Von Hattersheim aus ist ihr Weg zur Arbeit kurz und das Feld beginnt ganz in der Nähe der Wohnung. Auch findet Frau Dahms die Radwege, die Hattersheim zu bieten hat „einfach wundervoll“.

Wohnen als Kompromiss ist für Monika Dahms auch deshalb nicht so schlimm, weil sie nicht nur ein „ Draußen- Mensch“ ist sondern zudem auch viel „ Reiseblut“ in sich hat. Diese Veranlagung teilt sie mit ihren Angehörigen. „Unterwegs zu sein“ ist allen Familienmitgliedern von grundlegender Bedeutung und trägt nach Meinung von Frau Dahms auch deutlich dazu bei, noch im fortgeschrittenen Alter lebendig, fit und flexibel zu bleiben.

Früher hat sie die Sahara gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden noch kleinen Kindern erkundet, hat auch im mexikanischen Regenwald lieber in der Hängematte als im Hotel geschlafen und bezeichnet es als „Highlights“ ihres Lebens, Landschaften erlebt und fremden Kulturen und Menschen begegnet zu sein. Wer wie sie von solchen Erfahrungen auch im Nachhinein noch „lange zehren“ kann, mietet keine Wohnung, um einen Lebensmittelpunkt zu haben. Eher ist die Wohnung als Aufbewahrungsort für Dinge von Bedeutung. Mit den „Dingen“ meint sie vor allem ihre Bücher, die bei einer bildungsinteressierten Frau wie Monika Dahms bei einem Umzug an die 100 Kartons füllen würden.

Ein wenig schwierig wurde die Reiselust von Monika Dahms, als die Elektromodernisierung des Hauses durchgeführt wurde. Die Versuche, Termine mit allen Beteiligten so abzustimmen, dass die Arbeiten auch in ihrer Abwesenheit und bei gelegentlicher Anwesenheit der Tochter stattfinden konnten, gelangen nur zum Teil. Da stellte sich erst vor Ort heraus, dass der Sicherungskasten doch größer als gedacht war, sodass die Möbel nicht mehr so passten wie vorher. Oder der Zugang zur letzten Ecke im Keller wurde notwendig usw. Trotzdem hat Frau Dahms nur Lob für die mit der Modernisierung befassten Handwerker und meint sowohl die Handwerker von beauftragten Firmen als auch vom Regiebetrieb der Hawobau. Die Handwerker seien so „vertrauenswürdig, unkompliziert und nett“ gewesen, sagt sie, dass sie „auch kein Problem damit gehabt hätte, wenn sie alleine in der Wohnung gewesen wären“.

Mit der baldigen Frühverrentung besteht für Frau Dahms die Möglichkeit, einen alten Traum wahr zu machen. Eine bestimmte Gegend in Südfrankreich am Rande der Pyrenäen hat es ihr schon lange ganz besonders angetan. Die friedliche Abgeschiedenheit der Dörfer dort und die Möglichkeit, Dinge zu tun, die sie im Gegensatz zu ihrer jetzigen Tätigkeit im Büro wirklich tun möchte, motivieren sie, sich dort nach einer festen Bleibe um zu sehen.

 

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13.03.17 - Hedwig Stock erzählt:

Hedwig Stock hat ihr ganzes Leben in Hattersheim verbracht und könnte sich gar keinen besseren Ort zum Leben vorstellen.

„Ich brauch gar nicht in den Urlaub. Ich hab hier Urlaub“, sagt sie und freut sich jedes Jahr wieder ganz besonders auf den ersten Tag im Jahr, an dem sie ihren Pavillon auf dem Platz vor dem Haus aufbauen kann.

Begonnen hat alles mit einem Unfall, der sie ein ganzes Jahr lang an den Rollstuhl fesselte. Damals kam ihre Tochter auf die Idee, bei der Hawobau nachzufragen, ob man den Platz vor dem Haus so gestalten könne, dass er zum Aufenthalt draußen einlade. Dieses Anliegen wurde umgehend unterstützt. Die Hawobau steuerte Gummiplatten bei und Frau Stock bekam die Erlaubnis, dort einen Pavillon aufzustellen. Noch heute ist dieser Ort so einladend, dass selbst Fremde, die daran vorbeigehen, stehen bleiben und sich spontan zu den Mietern gesellen, die dort im Sommer immer viel Zeit verbringen.

Für die Alt-Hattersheimerin passt die Umgebung genau zu den Vorlieben, die sie in der Kindheit entwickelt hat. Die Familie lebte in einem alleinstehenden Haus, das an allen Seiten von Garten und Obstbäumen umgeben war. Gänse, Hühner, Enten sowie Hasen gehörten ebenfalls dazu. Insbesondere in den harten Zeiten nach dem Krieg, als die Mutter mit fünf Kindern allein und der Vater in russischer Kriegsgefangenschaft war, wurde diese Umgebung zum Trost für die Familie. Dass ihr in der jetzigen Wohnung so viele Anknüpfungsmöglichkeiten an die Kindheit gegeben werden, wusste Frau Stock 1993 gleich, als sie die Wohnung und das Haus das erste Mal sah. „Hier gehe ich rein- und nicht wieder raus“, dachte sie damals.

Ihre Wohnung sei „gemütlich, nicht zu groß, schön geschnitten und vor allem mit einer schönen großen Küche ausgestattet“, sagt Frau Stock. Damit sei sie gut dazu geeignet, „zusammen zu sitzen und gemeinsam zu essen“, was zu den wichtigsten Dingen im Leben von Frau Stock zählt.

Erst vor kurzem hat die rüstige 78jährige Rentnerin damit aufgehört, arbeiten zu gehen. Um ihre wegen dem frühen Tod des Mannes nur geringe Rente aufzubessern, fuhr sie in den letzten 18 Jahren tagein tagaus frühmorgens mit dem Fahrrad zum Putzen in ein großes Labor. Und obwohl sie nun dort aufgehört hat, lässt sie es sich nicht nehmen, noch eine der neuen Kräfte an zu lernen.

Da muss ihre Tochter,die sich seit langem jeden Tag um die Mutter kümmert, genau darauf achten, dass sich die Mutter auch genügend ausruht. In ihren gemeinsamen Urlauben darf Frau Stock deshalb nichts selber machen und die Tochter tut alles dafür, dass es ihr gut geht. Der Stolz darauf, eine so gute Beziehung zur Tochter zu haben, ist Frau Stock anzumerken, auch wenn sie schmunzelnd darüber nachdenkt, warum sich die Tochter zu so einer „ Glucke“ entwickeln konnte.

 

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13.12.16 - Sibel Yavuz erzählt:

Sibel Yavuz ist stolz auf ihre große Familie – sie und ihr Mann leben mit vier Kindern zusammen – die Älteste ist 25 Jahre alt, der Jüngste ist gerade 7 geworden. Mit einer so großen Familie ist es Frau Yavuz wichtig, in einem Umfeld zu leben, in dem Familien auch erwünscht sind. Sie erzählt von der Wohnungssuche, bevor sie vor 18 Jahren die Hawobau Wohnung angemietet hat und davon, dass Vermieter immer wieder gefragt haben, ob sie „Hunde oder Kinder“ habe. Da war sie froh, bei der Hawobau nicht auf derartige Vorbehalte zu treffen.

Auch von Nachbarn hat Frau Yavuz immer mal wieder erlebt, dass kindliches Verhalten als störend und lästig erlebt wurde. Aber sie hat auch erlebt, dass Nachbarn Verständnis für das Leben einer großen Familie entwickelt haben. Sie erzählt von einer Nachbarin, die selbst Großmutter wurde und durch den Kontakt zum Enkelkind verstand, dass es kaum möglich ist, mit einem Kleinkind so leise in der Wohnung zu sein, wie sie selbst es zuvor immer gern gehabt hätte.

Zur Hawobau ziehen wollte die Familie der gelernten Bäckereifachverkäuferin auch deshalb, weil sie damals dringend eine größere Wohnung brauchten. Die Töchter sollten ein eigenes Zimmer bekommen, um in Ruhe lernen zu können. Frau Yavuz war und ist es in der Erziehung ihrer Kinder ganz besonders wichtig, dass alle Kinder – die Mädchen ebenso wie die Jungen – „selbstbewusst und selbständig werden, mit eigenem Beruf, damit sie auf eigenen Beinen stehen können“, wie sie erläutert.

Bei den beiden älteren Kindern, den Mädchen Zehra und Sevcan, hat Sibel Yavuz dieses Ziel bereits erreicht. Beide haben das Abitur bestanden, eine von beiden hat bereits ein Studium abgeschlossen.

Als es im Gespräch um das Thema Erziehung geht, macht Frau Yavuz ihr demokratisches Familienverständnis deutlich. “Die Kinder sollen sagen, was sie denken und auch mitreden dürfen, wenn es um Familienentscheidungen geht“, wie sie sagt. Gleichzeitig ist sie aber auch geprägt von den Dorfsitten, die ihre Eltern damals mit nach Deutschland brachten, als sie aus der Türkei hierher kamen. „Sobald der Vater reinkam, mussten die Kinder aufstehen, ihm seine Sachen abnehmen, die Hausschuhe bringen“, erzählt Frau Yavuz und erklärt, dass „dies den Respekt ausdrücken sollte und die Anerkennung dafür, dass „der Vater, wenn er kam, meist 8 – 10 Stunden Arbeit als Staplerfahrer bei Opel hinter sich hatte.“

Auch bei den eigenen Kindern haben diese Dorfsitten noch ihre Spuren hinterlassen. „Mein Sohn Taher hilft älteren Leuten immer sofort, wenn er sieht, dass sie schwere Taschen zu tragen haben“, sagt Frau Yavuz und hält dieses Verhalten gegenüber Älteren für genau richtig.

Das Haus, in dem sie lebt, bezeichnet Frau Yavuz als „richtiges Multi-Kulti-Haus.“ Dort leben italienische, türkische, deutsche, marokkanische und griechische Mieter. Für ihre Familie findet Frau Yavuz diese Mischung ganz unproblematisch und freut sich, wenn z.B. der Grieche im Haus dem Italiener gratuliert, weil die italienische Fußballmannschaft gerade ein wichtiges Spiel gewonnen hat.

Dass man miteinander redet und bei Problemen Regelungen findet, die nicht nur die eigenen sondern auch die Bedürfnisse anderer berücksichtigen, ist ihr eben nicht nur in der Familie sondern genauso auch im Haus ein Anliegen.

Auf besondere Wünsche angesprochen, erzählt Frau Yavuz, dass sie in den nächsten Jahren und am liebsten mit ihrem Mann eine Pilgerreise nach Mekka unternehmen möchte. Ein wenig bedauert sie, dass sie im Laufe der Jahre immer religiöser geworden ist, während ihr Mann sich in genau der umgekehrten Art und Weise entwickelt habe. Sie hat aber bereits einen Plan B für ihren Wunsch, falls ihr Mann sich nicht genügend für Mekka interessieren sollte. Dann wird ihr älterer Sohn sie begleiten.

 

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15.10.16 - Marita Wagner erzählt:

Marita Wagner war schon lange auf Wohnungssuche gewesen, als sie sich schließlich entschloss, „mal bei der Hawobau vorbei zu gehen“, wie sie sagt. Zuvor hatte sie eine Aufforderung vom Amt für Arbeit und Soziales erhalten, sich eine kleinere Wohnung zu suchen. Nach der Scheidung entsprach die vorherige Wohnung nicht mehr den üblichen Vorgaben für die Angemessenheit einer Wohnung und es drohte die Absenkung der monatlichen Leistungen, wenn es ihr nicht gelang, eine passende Wohnung zu finden.

„Die Angestellten der Hawobau haben alles schnell und gut für mich geregelt“, erzählt Frau Wagner weiter. So konnte sie innerhalb von nur zwei Wochen in die kleine, frisch renovierte 2 Zi -Wohnung einziehen. „Ich selbst kenne mich nicht so gut mit den verschiedenen Behördenanforderungen aus. Da war ich sehr froh, dass es die Mitarbeiter der Hawobau übernommen haben, mit dem MTK ab zu klären, dass meinem Umzug in die neue Wohnung zugestimmt werden konnte.“

Das hat sie damals sehr entlastet. Und auch die Wohnung gefällt ihr 8 Jahre nach Einzug noch gut. Die Raumaufteilung sei besser als in vielen anderen kleinen Wohnungen, die sie zuvor gesehen hatte. Und sie kann vieles zu Fuß erreichen, selbst für den Weg zur Arbeit kann Frau Wagner sich die Kosten öffentlicher Verkehrsmittel sparen. „So bleibt etwas mehr Geld zum Leben übrig“, erzählt sie und betont, wie wichtig dies sei, wenn man insgesamt wenig Geld zur Verfügung hat.

Frau Wagner weiß nicht nur in Bezug auf die Wohnungsvergabe Positives über ihren Vermieter zu berichten. Sie erzählt, dass sie die „prompte Erledigung aller Angelegenheiten“, typisch für die Hawobau findet. Und nicht nur „prompt.“ Bemerkenswert findet sie auch, dass sich die Hawobau „so nett um ihre Mieter kümmert.“

Als Beispiel erzählt sie, dass sie einmal total entsetzt gewesen sei, als sie feststellen musste, dass der Badewannenabfluss verstopft war. Da war sie sehr erleichtert, dass der technische Kundenbetreuer die Ursache – einen Rückstau in der Kanalisation – schnell ausmachen konnte. Ihr habe er gleich gesagt: „Aber das ist doch nicht Ihr Problem, Frau Wagner. Das beseitigen wir doch“ und habe die Fachfirma noch am selben Tag beauftragt. Innerhalb von wenigen Tagen war das Problem dann bereits behoben.

Marita Wagner weiß den Umgang der Hawobau mit ihren Mietern auch deshalb so zu schätzen, weil man sie anderswo durchaus habe spüren lassen, dass sie „Hartz-IV-Empfängerin ist“, wie sie sagt. „Wenn man dann noch alleinstehend ist, hat man es manchmal nicht so einfach und ist immer mal wieder auf Unterstützung angewiesen“ erzählt sie und betont erneut, wie wichtig ein Vermieter wie die Hawobau ist, „bei dem Hartz-IV-Empfänger keine Nachteile zu befürchten haben.“

 

 

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01.09.16 - Christiane Oertel erzählt:

Christiane Oertel

Als Christiane Oertel zum Wohnungsbesichtigungstermin in das Mehrfamilienhaus der Hawobau kam, wurde sie unbekannterweise von einem der Bewohner dort mit einem freundlichen „Guten Morgen“ begrüßt. So etwas hatte sie anderswo noch nie erlebt und sie war so positiv überrascht, dass ihre Entscheidung in dieses Haus einziehen zu wollen, im selben Moment gefallen war.

Glücklicherweise hat sich in den folgenden Jahren bestätigt, was zunächst nur ein Bauchgefühl war. Die neue Umgebung wurde zum Zuhause, so sehr, dass es sogar Nachbarn gibt, die von ihr und auch von ihrer kleinen Tochter wie Familienmitglieder ins Herz geschlossen wurden.

Als die heute dreißigjährige Christiane Oertel vor vier Jahren einzog, war sie bereits seit vielen Jahren daran gewöhnt, als Krankenschwester verantwortungsvoll mit den ihr anvertrauten Menschen umzugehen. Privat sah es jedoch anders aus, da war sie „jugendlich chaotisch unterwegs“, wie sie berichtet.

Kurz nach dem Einzug wurde Frau Oertel wegen einer Beschwerde aus der Nachbarschaft über die regelmäßig stattfindenden Partys zum Gespräch in die Hawobau eingeladen. In diesem Gespräch wurde ihr schlagartig klar, dass sie laut und störend für andere zu hören war. Das hatte sie so nicht gewusst und schon gar nicht gewollt und sie begann zu lernen, einige Verhaltensweisen zu ändern. “Ich bin hier in der Wohnung erwachsen geworden“, meint sie voller Stolz und mit großer Zufriedenheit über ihr jetziges Leben.

Diese innere Entwicklung von Christiane Oertel fand ihren Ausdruck auch in der Gestaltung und Einrichtung der Wohnung. „Meine Art mich einzurichten, war damals minimalistisch. Ich wollte Platz, Möbel sollten einen Zweck erfüllen, mehr nicht“, wie sie sagt. In einem der Räume war alles untergebracht, was damals wichtig war: „der Kühlschrank mit dem kalten Bier, der PC mit all seinen Möglichkeiten, die Musikanlage und die Kopfhörer, eine Liege, falls der Weg ins Schlafzimmer zu weit werden würde“, erzählt sie und wundert sich ein wenig darüber, wie sehr sie sich hat verändern können.

Mit Unterstützung von Nachbarn begann sie in der Zeit der Schwangerschaft ihren persönlichen „Nestbau“ in der Wohnung. Nun gibt es Teppiche in den Zimmern, ein Bällebad wurde angeschafft, die Möbel sind ausgewählt und stilvoll – mit den Worten von Frau Oertel, die Wohnung wurde „wärmer, gemütlicher und familiärer“. Als Mutter weiß sie, dass weitere Veränderungen durch die Entwicklung des Kindes anstehen werden. Da ist sie froh, dass die Wohnung derartige Umgestaltungen zulässt. „Das große Zimmer kann später Spielzimmer werden. Ich möchte nicht, dass meine Tochter überall in der Wohnung spielt“, erklärt Frau Oertel die derzeitigen Überlegungen.

Nach der persönlichen Bedeutung von Nachbarschaft befragt, erinnert sich Christiane Oertel daran, wie sie nach der Geburt des Kindes alleine zu Hause „wachsam und aufmerksam jede Lebensäußerung des Kindes verfolgte, um ganz sicher zu sein, dass alles in Ordnung ist“. Da war es enorm hilfreich, dass die Beziehung zu den unmittelbaren Nachbarn schon so gut war, dass diese sich mit ihr über die kleine Tochter und ihr sonniges und friedliches Gemüt freuten. Fast täglich sind sie für Mutter und Kind da und machen es so möglich, dass das Leben von Frau Oertel nicht nur um die Tochter kreist.

So wie Frau Oertel alles, was sie macht, aus ganzem Herzen und mit vollem Einsatz macht, hat sie auch in ihrer Arbeit als Krankenschwester immer am liebsten die Nachtschichten übernommen, um die Möglichkeit zu haben, sich an Patientenbetten zu setzen und die Hand von Sterbenden zu halten. Es war ihr wichtig, den Menschen ein „würdiges Davongehen zu ermöglichen“, erinnert sie sich.

Da missfällt ihr ein gesellschaftlicher Trend, den sie als ständig wachsende Erwartungshaltung benennt und den sie selbst hautnah als Krankenschwester erlebt hat. „Es gibt immer mehr Patienten im Krankenhaus, die fordern, dass ihnen der Service eines Hotels geboten wird“, erzählt sie und ärgert sich darüber, dass „diese Menschen den Schwerkranken die Zeit rauben, die diese viel dringender benötigen als sie selbst.“

Der große Bekanntenkreis von Christiane Oertel, der ihr noch aus der Zeit der „jugendlichen Chaotik“ verblieben ist, kann ihre Entwicklung nur teilweise nachvollziehen und manche sehen sie nun als etwas „old school“ an, erzählt Frau Oertel. Dabei waren ihr traditionelle Werte des Umgangs miteinander schon immer wichtig. „Bitte und danke zu sagen, miteinander zu reden und nicht ständig aufs Handy zu schauen, mal eine Kleinigkeit als Dankeschön mitzubringen, Briefe zu schreiben, höflich, pünktlich und zuverlässig zu sein“, so beschreibt Christiane Oertel diese grundlegenden Lebenswerte, die sie meint. Die Berücksichtigung dieser Werte im Alltag der Hausgemeinschaft ist für sie der entscheidende Grund, weshalb sie in den letzten vier Jahren stärker als zuvor in ihrem Leben hat „ankommen“ können.

 

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28.06.16 - Lutz Schneider-Hartmann erzählt:

Ursula Pfeufer

Vielseitige Interessen, Wechsel und Neuanfänge sind typisch für Lutz Schneider-Hartmann. Er hat „alles Mögliche ausprobiert“, wie er erzählt, „ist dabei oft gestolpert und hingefallen, immer aber mit neuen Ideen wieder aufgestanden.“

Das gilt nicht nur für sein berufliches sondern auch für sein privates Engagement.

Gearbeitet hat er unter anderem als Gießereifacharbeiter, im Verkehrsdienst der Deutschen Reichsbahn, als Wachschützer einer Bundesbahn-Baustelle, in der diakonischen Jugendarbeit. „Arbeitslos zu sein ist nichts für mich“, stellt er fest und ergänzt eine Vielzahl von Aktivitäten, die seine Freizeit füllen. Er erzählt, wie er einen Musikerverein gegründet hat, um Studioräume für eine Band des Vereins einrichten zu können, erzählt von seinem Engagement in einem Radio-Projekt, als erster Vereinsvorsitzender vom „Südringtreff“. Sein Interesse gilt der Ökologie, der Kommunalpolitik, verschiedenen Musikstilen, dem Mittelalter, dem Schicksal behinderter Menschen, dem Hören von Hörbüchern.

Seit Lutz Schneider-Hartmann Schulbegleiter für behinderte Kinder wurde – das war 1994 – hat sich diese Arbeit „nah am Menschen“ aber zu einer „statischen Größe“ in seinem Leben entwickelt, wie er sagt. Denn diese Arbeit entspricht ihm doch etwas mehr als die vielen anderen Tätigkeiten, die er kennenlernen konnte. „Manche der Kinder schaffen sogar den Realschulabschluss“ freut er sich und berichtet davon, wie er die Kleingruppenarbeit von behinderten und nichtbehinderten Kindern zu verschiedenen schulischen Themen intensiv vorbereitet, um den Kindern die bestmöglichen Chancen zu eröffnen.

Möglich, dass auch die jetzige Wohnung bei der Hawobau einmal eine ähnlich „statische Größe“ in seinem Leben werden könnte. Immerhin wohnt er nun seit 2010 dort, nach Zeiten des Wohnens in Lauchhammer im „Brandenburgischen“, in Hoyerswerda-Neustadt, in der Gemeinde Weilrod und Grävenwiesbach im Taunus, einem Dorf in der Nähe von Wetzlar, in der Nähe von Darmstadt und in Großauheim in der Nähe von Hanau. Denn er weiß viel Positives über die jetzige Wohnsituation zu berichten:

Positiv ist, dass die Wohnung „erschwinglich“ und trotzdem groß genug ist – groß genug für ein Schlagzeug und verschiedene Gitarren, die unterzubringen sind und auch groß und gut genug für die Katze, die über eine Katzenklappe in die Wohnung gelangen kann.

Positiv ist, dass es sich bei dem Vermieter um eine Wohnungsbaugesellschaft handelt, „die sich um das Miteinander der Mieter kümmert und nicht nur Wohnungen vermietet“, wie es Lutz Schneider-Hartmann formuliert. Als Beispiel nennt er eine der Mieterversammlungen der Hawobau. Er war gerade neu eingezogen und kannte noch niemanden in Hattersheim, als er über diese Mieterversammlung zwei Mietern aus der Nachbarschaft begegnete, die im Laufe der Jahre zu Freunden wurden und über die sich noch weitere Freundschaften entwickelten.

Positiv ist außerdem, „dass es hier so grün ist“, wie Lutz Schneider-Hartmann sagt und erzählt, dass ihn die Grünflächen in der Nachbarschaft gleich an die Umgebung seiner Kindheit in Lauchhammer in der ehemaligen DDR erinnert haben, denn auch dort gab es Birken und Pappeln in der Nähe der elterlichen Genossenschaftswohnung.

Da es Lutz Schneider-Hartmann ein Anliegen ist, möglichst wenig Energie zu verbrauchen, gehört es für ihn mit zu dem Positiven der Wohnung, dass er hier die Gastherme in der Wohnung selber ein- und ausschalten kann.

Neben all dem Positiven gibt es aber auch Kritikwürdiges:

Schwierig fand Lutz Schneider-Hartmann, dass die Mieter „wenig und schlecht informiert wurden“, wie er sagt, als die Kellerräume des Hauses, in dem er wohnt, umgestaltet wurden. Nach der Umgestaltung entfiel einer der beiden Trockenräume, was nicht angekündigt und nicht begründet worden sei.

Folglich möchte Herr Schneider-Hartmann die Gelegenheit des Interviews auch dazu nutzen, seine Bitte an die Hawobau zu richten, „sich mehr um die Mieterkommunikation zu kümmern.“ Neben ausführlichen Informationsschreiben wünscht er sich auch, dass die Informationen so frühzeitig verschickt werden, dass Mietern noch die Gelegenheit bleibt, „Mitgestaltungswünsche einzubringen.“

 

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25.05.2016 – Giuseppe Zarbo erzählt:

Ursula Pfeufer

In Sizilien geboren haben Meer und Sonne das Lebensgefühlt von Giuseppe Zarbo besonders geprägt. „Wenn die Sonne scheint, dann ist das Leben gleich schön“, wie er sagt.

Auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz kam Giuseppe Zarbo mit 22 Jahren nach Deutschland. Er sah das erste Mal Schnee und musste feststellen, dass auch der deutsche Sommer keinesfalls mit dem Sommer, wie er ihn aus Agrigento kennt, mithalten kann. „Man sieht hier kaum die Sonne“, wie er bedauernd feststellt.

Nach nur sechs Wochen Probearbeit beim Ventilhersteller „Deutsche Präzision Ventil GmbH“ wurde Herrn Zarbo ein fester Arbeitsplatz angeboten. Da sprach er noch kaum Deutsch und war auf die Unterstützung der italienischen Kollegen angewiesen. Die Arbeit war gut bezahlt und gab letztendlich den Ausschlag dafür, in Deutschland zu bleiben.

Geblieben ist aber auch die Sehnsucht nach den Wetterverhältnissen der Kindheit – denn auch in Sizilien sei der Sommer mittlerweile kürzer und regnerischer als früher, wie Herr Zarbo berichtet.  

Ein kleiner Ausgleich zu den seltenen Sonnentagen in Deutschland ist jedoch die jetzige Wohnung. „Sobald die Sonne aufgeht, haben wir die Sonne in der Wohnung“ freut sich Herr Zarbo und fügt an, dass er dann gerne mit seiner Frau auf dem Balkon sitzt und den Sonnenschein bei einem gemeinsamen Essen genießt.

Von den  Plänen, mit der Familie im Rentenalter nach Agrigento zurückzukehren, hat die Familie Zarbo mittlerweile Abstand nehmen müssen. Die Töchter sind  in Deutschland geboren und nun auch in Deutschland verheiratet. Sie haben nicht mehr die intensive Beziehung zu Italien wie die Eltern. Das extra für die Rückkehr der Familie gebaute Haus in Agrigento steht nun leer, wird aber jedes Jahr wieder gern für einen langen Urlaub in der Heimat genutzt.

Auf das Thema „ Nachbarschaft“ angesprochen, erklärt Giuseppe Zarbo, ihm sei es in erster Linie wichtig „ zu respektieren und respektiert zu werden.“ Dies sei im Haus auch weitgehend gegeben. „ „Auf dem Stockwerk kennt man sich. Man grüßt und respektiert sich. Ansonsten hat aber jeder seine Familie“, erläutert Herr Zarbo.

Er ergänzt, dass es einige sehr schwierige Jahre für ihn und andere Nachbarn gegeben habe. Es habe Ärger gegeben durch eine kranke Nachbarin, die zu allen Tag,- und Nachtzeiten geschrien habe. „Viele im Haus haben sich damals gewünscht, dass es besser wird. Es wurde aber im Laufe der Jahre immer schlechter“, schildert Herr Zarbo die damalige Situation. Er betont, wie sehr er zu schätzen wisse, dass es damals mithilfe des Sozialen Managements der Hawobau gelungen sei, eine Veränderung der Situation zu erreichen. Mittlerweile seien der Frieden und die Ruhe im Haus nach den belastenden Jahren wieder hergestellt worden.

Bei aller Zufriedenheit mit der Wohnsituation äußert Giuseppe Zarbo abschließend noch einen besonderen Wunsch: „ein Bad ohne Badewanne und statt dessen mit einer Dusche“, darüber würden er und seine Frau sich ganz besonders freuen.

 

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15.04.2016 - Gerhard Köhler erzählt:

Ursula Pfeufer

Zu seiner ersten eigenen Wohnung kam Herr Köhler mithilfe der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft, die damals gerade in der Breslauer Straße gebaut hatte. Die Straße war noch gar nicht fertiggestellt und die Wohnung für die junge Familie eigentlich zu klein – es gab nur eine Küche, ein Bad, eine Schlafstube und eine Wohnstube, kein Kinderzimmer – aber es war die erste eigene Familienwohnung. Im Rückblick ist der 89 jährige dankbar, dass er so gut hat leben können. Seine jahrzehntelange gute Verbindung zur Hawobau verdankt er nach eigenem Bekunden in erster Linie den Handwerkern vom Regiebetrieb. „Ich kenne sie noch von ganz früher. Immer, wenn mal etwas zu reparieren war, war Verlass auf sie“, lobt Herr Köhler die von ihnen geleistete Arbeit.

In der Erinnerung an sein langes und bewegtes Leben erlaubt uns Herr Köhler, an einigen Stationen aus seinem Leben teilzuhaben: an seinen Erfahrungen als jugendlicher Kriegsgefangener in Arizona, den Jahren der harten Arbeit in Hessen während der Nachkriegszeit und schließlich der Familiengründung und Etablierung in Hattersheim.

 

In Schlesien geboren ist es ihm in seiner Jugend eigentlich nicht schlecht gegangen, bis er – nachdem er erst ein Jahr der Ausbildung zum Steinmetz hinter sich hatte – 1943 mit 16 Jahren zum Arbeitsdienst eingezogen wurde. Er wurde als Flakhelfer eingesetzt und nach Frankreich an die Kanalküste geschickt, wo er nach kürzester Zeit in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. Fortan, so berichtet er, wurde er so wie alle anderen Gefangenen auch „nach Nummer geführt“. Sie wurden nach England gebracht, dort in den Hafen, nach der Nummer gefragt, auf einen Truppentransporter mit ungewissem Ziel verladen. Auch nach der Ankunft in New York verschwiegen die amerikanischen Bewacher, wo der Transport enden würde – bis schließlich klar war, dass es ein Kriegsgefangenenlager in Arizona war. Dort wartete harte Arbeit in den Baumwollfeldern auf sie, doch es gab genug zu essen, Brot, Marmelade, sogar Erdnussbutter gehörte zu den täglichen Essensrationen. Geschlafen wurde auf Feldbetten in Baracken, meist in Seesäcken. Jeder bekam neue Kleidung, nicht nur eine Garnitur sondern insgesamt sogar drei Garnituren, was damals bereits als großer Luxus empfunden wurde – ein „Leben wie Gott in Frankreich“, wie Herr Köhler sagt.

Nach Kriegsende wurde es langsam etwas besser: wer unterschrieben hatte, dass von ihm weder „ Fluchtversuche noch Sabotage“ zu befürchten waren, konnte sich nun freier bewegen – vom Lager zur Farm, auf der die Gefangenen zu den landwirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt waren – und wieder zurück. Und 1946 hieß es dann eines Tages unvermittelt: „es geht nach Hause“. Gemeint war zunächst wieder Frankreich, dann wurde Gerhard Köhler weiter nach Marburg gebracht, wo die Gefangenen in Zelten untergebracht wurden. Sie hatten nichts, die zusätzlichen Kleidungsstücke aus Amerika waren ihnen vor dem Rücktransport wieder abgenommen worden, sodass sie nur besaßen, was sie am Körper trugen. „Den Namen „Flüchtling“ hat es damals so noch nicht gegeben“, sagt Herr Köhler, und: „Wir waren damals aber Flüchtlinge. Wir hatten nichts.“ In Marburg wurden sie nach Berufen sortiert, Vertreter von Unternehmen kamen um nach Arbeitskräften zu suchen. Herr Köhler wurde zunächst von einem Bauunternehmer mitgenommen und landete dann bei der IG Farben in Höchst. Als Unterkunft diente ein Barackenlager in Sindlingen, ein früheres Gefangenenlager. Die Strohsäcke, die zum Schlafen dienten, waren mit allerlei Ungeziefer besiedelt. Nach und nach ging es für Herrn Köhler bergauf. Nach einem Vorstellungsgespräch kam er zu den Main- Kraftwerken als Hilfsarbeiter, man bot ihm an, die Heizerprüfung abzulegen und noch ein paar Jahre später wurde er zum Kesselwärter befördert. Er konnte sich nun eine Ein- Zimmer- Mansardenwohnung in Höchst leisten.

An den freien Tagen „schwärmten die jungen Männer aus“, wie er berichtet, und an Fasching zog es sie nach Hattersheim zu den Maskenbällen, die um Mitternacht immer damit endeten, dass die Teilnehmer demaskiert wurden. Dort war es auch, dass Herr Köhler die ganze Nacht durch mit einer jungen Frau tanzte. Kaum war der Zeitpunkt der Demaskierung um Mitternacht gekommen, erschienen bereits die Eltern, um den künftigen Schwiegersohn unter die Lupe zu nehmen. Herr Köhler wurde in die Gastwirtschaft „Zur Krone“ und weiter zur Wohnung der Familie in Hattersheim mitgenommen. Schon kurze Zeit später wurde ihm angeboten, in ein freies Zimmer der Familie einzuziehen. Fortan fuhr er mit dem Fahrrad von Hattersheim nach Höchst zu Arbeit. Die Zeit hatte begonnen, in der die Dinge langsam besser laufen sollten…..

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15.03.2016 - Ursula Pfeuffer erzählt:

Ursula Pfeufer

Viele Male in ihrem Leben ist Ursula Pfeuffer umgezogen. Die elterliche Postwohnung in Frankfurt, verschiedene Frankfurter Stadtteile und selbst Gegenden in Schleswig- Holstein hat sie kennengelernt. Gelandet und geblieben ist sie dann 1997 in Hattersheim. Eine Zeitlang musste sie damals aus Koffern leben und „das Wohnungsamt ein bis zweimal die Woche belagern“ wie sie schmunzelnd feststellt, bis es gelang, die jetzige Wohnung bei der Hawobau anzumieten.

Jedes Mal, wenn sie über Gründe für einen weiteren Umzug nachdenkt, wägt Frau Pfeufer sorgfältig Vor- und Nachteile ab. Und jedes Mal ergibt die Liste der Plus- und Minuspunkte einen eindeutigen Vorsprung für das Wohnen bei der Hawobau in Hattersheim.

Auf der Plus-Seite verzeichnet sie, dass „die Miete von Anfang an in Ordnung war.“ „Das hat sich im Laufe der Jahre auch nicht geändert“, stellt sie erfreut fest.

Auch positiv ist, dass sie hier gut mit ihrem Hund draußen unterwegs sein kann. Es zieht sie an den Main nach Okriftel, zu verschiedenen Events, die dort stattfinden, und gern auch ins Schwimmbad. Die Lage mit ihren Möglichkeiten möchte sie nicht missen.

Gut gefallen haben ihr auch die Mieterversammlungen der Hawobau. Vor einigen Jahren hat sie an zwei Versammlungen teilgenommen, einmal um das Anliegen einer Freundin ein zu bringen und einmal, um Eigenes an zu sprechen. „Über Ärgernisse aus dem Alltag in der Hausgemeinschaft reden zu können. Und Informationen zur Hawobau zu bekommen“, so benennt sie das, was ihr gefallen hat.

Auf die Negativpunkte in ihren Listen angesprochen, nennt Frau Pfeuffer vor allem einen unachtsamen Umgang vieler mit Müll. Es sei „traurig, dass es so viele Menschen gibt, die ihren Müll einfach irgendwo abladen und hinwerfen.“ Sie ist jedoch fest davon überzeugt, „dass man, egal, was los ist, erstmal über Probleme reden sollte“. Deshalb spricht sie sich auch dafür aus, dass die Hawobau sporadisch an Mieterversammlungen festhält, um den Hausgemeinschaften einen Rahmen für die Gespräche zu bieten.

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26.01.2016 - Elfi Trankalis erzählt:

Elfi Trankalis erzählt

Elfi Trankalis wohnt nun schon seit 28 Jahren in der Siedlung bei der Hawobau. Sie hat sich der Hausgemeinschaft immer verbunden gefühlt, wohl auch, weil sie so viele unterschiedliche Lebensphasen in ein und demselben Haus erlebt hat. Immer lag ihr eine gute Hausgemeinschaft am Herzen. Dabei denkt sie vor allem daran, dass man füreinander da ist, wenn es notwendig ist. „ Verschiedene Nachbarn haben mir ihre Wohnungsschlüssel gegeben, damit ich zur Stelle sein kann, wenn es zu einem Notfall kommen sollte “, erzählt sie. Seit sie nicht mehr berufstätig ist, engagiert sich Frau Trankalis noch stärker als zuvor in ihrer Nachbarschaft. So kümmert sie sich regelmäßig unentgeltlich um eine ältere Dame. Hier kann sie ihren Beitrag zu dem leisten, was ihr so wichtig ist.

Zur wechselhaften Geschichte der Hausgemeinschaft befragt, erinnert sie sich: „Die meisten der 28 Jahre war die Hausgemeinschaft gut.“ Dass es auch einige Jahre mit Schwierigkeiten gegeben hat, erscheint ihr im Rückblick als hinnehmbar. Entscheidend sei, dass die damalige Situation mit Hilfe der Hawobau geändert werden konnte.

Besonders gut gefällt Frau Trankalis auch die Lage der Wohnung. Die Nähe zum Platz der Begegnung und zum Südringtreff ermöglichen es ihr, an Veranstaltungen und Aktivitäten teilzunehmen und so auch ohne Arbeit aktiv zu bleiben, Freundschaften und Kontakte zu pflegen. Seit sie selbst hin und wieder gesundheitliche Probleme hat, ist es da auch wichtig, dass Treffpunkte bequem zu Fuß erreichbar sind. Gern trifft sie sich auch mit Nachbarn auf den Bänken in der Nähe des Wohnhauses, wo schon der ein oder andere Geburtstag gemeinsam gefeiert wurde.

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