Eine gelungene Mediation bei der Hawobau

Wenn es zwischen Mietern der Hawobau zu Unstimmigkeiten kommt, ist Mediation eine geeignete Methode, um eine annehmbare Lösung für alle betroffenen Parteien zu finden.

Mediation (latainisch Vermittlung) ist ein strukturiertes, freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konfliktes. Mit der Unterstützung einer dritten allparteilichen Person, dem Mediator, wird hierbei eine Einigung angestrebt, die die Interessen der jeweiligen Konfliktparteien berücksichtigt.

Im Rahmen der Hawobau-Mieterberatung ist Uta Sundermeier auch als Mediatorin tätig, wenn es zu Konflikten zwischen Mietern kommt. Zum Ablauf einer Mediation sagt sie: „Die erste wichtige Herausforderung ist, einen geeigneten Titel für den Konflikt zu finden. Dieser sollte so gewählt werden, dass die Einordnung nicht parteiisch ist.“ Manchmal nehme alleine dieser Part eine ganze Sitzung in Anspruch.

In anderen Fällen gelingt es aber auch, innerhalb nur einer Sitzung eine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen und den Beteiligten somit zu einem harmonischen Miteinander zu verhelfen. Ein sehr erfreuliches Beispiel für die erfolgreiche Vermittlung zwischen zwei Mietern der Hawobau durch Frau Sundermeier ist der Konflikt zwischen Herrn A und Herrn B, der unter dem Arbeitstitel „Gartennutzung“ in einer Mediationssitzung aufgearbeitet wurde:

Wie es für eine professionelle Mediation üblich ist, schilderten die beiden Betroffenen zunächst nacheinander ihre Sicht der Dinge. Ohne dabei von dem Anderen unterbrochen zu werden.

Herr A (82 Jahre) berichtet: „ Ich habe mich durch das Fußballspielen der Nachbarskinder vor meinem Fenster gestört gefühlt. Seit über 20 Jahren lebe ich in einer Hawobau-Wohnung. In dieser Zeit haben schon öfter Familien mit Kindern nebenan gewohnt. Wenn ich mich durch die Unruhe gestört gefühlt habe, habe ich meine Wohnung verlassen. Oft besuchte ich dann meine Tochter. Durch meine Schwerhörigkeit hat mich die optische Unruhe vor meinem Fenster mehr belastet als der Lärm der Kinder.“

Auf die Frage, wie er mit dem Problem umgegangen sei antwortet Herr A:

„Ich habe eine kleine, sehr schöne Wohnung, in der ich mich eigentlich sehr wohl fühle. Um mehr Ruhe zu haben, habe ich dann oft in einem Liegestuhl in meinem Badezimmer gesessen, wenn die Kinder genau vor meinem Fenster Ball gespielt haben. Normalerweise nehme ich mich sehr zurück, äußere keine Kritik an anderen. Das ist nun mal meine Natur. Deshalb habe ich mich auch nicht an die Hawobau gewandt, als mir meine Tochter dazu geraten hat. Als eines Tages wegen eines Festes viele Kinder bei Familie B zu Besuch waren, habe ich den Kindern gesagt, dass sie nicht vor meinem Fenster spielen sollen. Die kleinen Kinder haben mich weniger gestört, aber die großen Kinder waren wilder. Der Ball flog in mein Blumenbeet, das mir sehr am Herzen liegt und auch gegen das Fenster. Das hat mich gestört. In der alten Hausordnung war die Gartennutzung verboten. Darauf habe ich meine Nachbarn hingewiesen.“

Diese Kontaktaufnahme zu den Kindern verärgerte Herrn B sehr. Seine Sicht der Situation schildert er wie folgt:

„Als wir eine Erdgeschosswohnung mit Garten bekommen haben, habe ich mich sehr gefreut. Der Garten war mit ein Grund, weshalb wir uns für die Wohnung entschieden haben, denn so haben die Kinder die Gelegenheit, draußen zu spielen. Von meinem Vormieter wusste ich, dass mein Nachbar Herr A viel Wert auf seinen Garten legt. Darum habe ich meinen Kindern gesagt, dass sie diesen nicht betreten und vorsichtig sein sollen. Ich habe insgesamt fünf Geschwister und Gastfreundschaft ist uns sehr wichtig. Daher ist meine Familie oft zu Besuch. Eines Tages hat mein Schwager mit den Kindern im Garten Ball gespielt. Ich war zu diesem Zeitpunkt arbeiten. Als der Ball beim Spielen in Herrn As Garten geflogen ist, hat dieser meine Kinder angeschrien. Davon habe ich bei meiner Heimkehr von der Arbeit erfahren. Daraufhin habe ich meinem Nachbarn gesagt, dass ich nicht möchte, dass er meine Kinder anspricht. Wenn es Grund zur Beschwerde gibt, möchte ich der Ansprechpartner sein.“

Um eine Klärung bezüglich der Gartennutzung zu erzielen, nahm Herr B Kontakt zu Frau Sundermeier als Mediatorin der Hawobau auf. Einige Jahre zuvor hatte er bereits sehr positive Erfahrungen mit einer Mediation gemacht. Daher schien ihm dieser Weg auch bei dem aktuellen Konflikt geeignet, um eine Verbesserung des Nachbarschaftsverhältnisses zu erzielen.

Über die Einladung zu einer Mediation sagt Herr A Folgendes:

„Zunächst war ich verärgert. Ich wohne schon sehr lange hier und nie hat sich jemand über mich beschwert. Dann habe ich jedoch zugestimmt.“

Aufgrund seines Alters war es in diesem Fall wichtig eine Einigung innerhalb einer Sitzung zu erzielen. Denn der 82jährige empfindet solche Gespräche als psychische und physische Belastung, der er sich nicht oft aussetzen kann.

Im Rahmen des Mediationsgespräches konnten Herr A und Herr B ihren Gefühlen Ausdruck verleihen und zudem wichtige Hintergrundinformationen über den Anderen gewinnen.

So schilderte Herr A beispielsweise die zunehmende Angst um seinen gesundheitlichen Zustand:

„Eine ältere Frau aus der Nachbarschaft hat sich durch den Lärm auch gestört gefühlt. Sie wurde depressiv und hat sich das Leben genommen. Da habe ich Angst bekommen, dass es mir ähnlich ergehen könnte. Zudem habe ich mich darüber geärgert, dass ich keine Kritik an Dingen üben darf, die ihn stören.“

Herr B konnte ein Verständnis für die Situation von Herrn A entwickeln und seinen Bedürfnissen ebenfalls Ausdruck verleihen. „Ich habe Respekt vor älteren Menschen und nehme gerne Rücksicht. Allerdings bin ich der Auffassung, dass Kinder nur abhängig von ihrem Alter Rücksicht nehmen können. Ich spiele selbst gerne Fußball, daher ist es mir wichtig, dass meine Kinder hierzu auch die Möglichkeit haben. Ich habe mir immer Mühe gegeben, meinen Kindern klar zu machen, dass sie auf den Garten des Nachbarn achten sollen.“

Nach der offenen Aussprache stand fest, dass beide Nachbarn daran interessiert sind, ein friedliches Verhältnis zueinander zu haben. Einstimmig sagten sie: „ Man muss den Willen haben, eine Einigung zu erzielen und Bereitschaft zeigen, dem Anderen entgegen zu kommen. Sonst ist eine Mediation sehr wahrscheinlich erfolglos.“.

Im Fall „Gartennutzung“ haben die Mieter folgenden Kompromiss erzielt:

Die großen Kinder von Familie B werden in Zukunft auf dem Spielplatz Fußball spielen, die Kleinen dürfen weiterhin den Garten nutzen. Sind jedoch mehrere Kinder zu Besuch oder steht eine Feier an, wir Herr A in Zukunft rechtzeitig hierüber informiert. Dann hat er die Möglichkeit, sich hierauf einzustellen und sein Wohnung für einen Spaziergang oder einen Besuch bei seiner Tochter zu verlassen. Im Gegenzug hat sich Herr A dazu bereit erklärt, Beschwerden in Zukunft mit Herrn B und nicht mit dessen Kindern oder seiner Frau zu besprechen.

Alle Beteiligten verstehen sich seit der Mediation sehr gut. Die Nachbarn grüßen sich gegenseitig und hegen keinen Groll mehr gegeneinander. Wie es bei einer Mediation üblich ist, hat Frau Sundermeier einige Wochen nach der Sitzung bei den beiden Mietern nachgefragt, wie es ihnen ergangen sei. „Beide Parteien haben sich an die Absprachen gehalten und haben seitdem ein gutes Nachbarschaftliches Verhältnis“, freut sich die Mediatorin.

Herr A und Herr B sind sehr dankbar für die effektive Vermittlung von Frau Sundermeier. Sie möchten anderen Menschen Mut machen, die Möglichkeit der Mediation in Anspruch zu nehmen, wenn es zu Konflikten mit anderen Mietern kommt. Eine gelungene Mediation kann den Beteiligten zu weniger Stress und mehr Lebensqualität verhelfen. Die beiden Hattersheimer sind sich einig: „Die Mediation hat mir sehr geholfen. Ich würde es jederzeit wieder machen.“.

Das Interview wurde geführt von Yvonne Herzog von der Agentur Hauptsache Kommunikation